12 Kottransplantation bei Hund und Katze GESUNDE DARMBAKTERIEN Millionen von Bakterien besiedeln den MagenDarm-Trakt unserer Haustiere und übernehmen dort lebenswichtige Aufgaben. Dieses sogenannte Darmmikrobiom beeinflusst dabei nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem sowie den Stoffwechsel unserer Hunde und Katzen. Doch was passiert, wenn die Balance der Mikroorganismen kippt? Mit Blick auf das Wohlbefinden unserer bellenden und schnurrenden Vierbeiner ist eine gesunde Darmflora nicht zu unterschätzen. Sie hat bedeutenden Einfluss auf das Immunsystem, denn ein Großteil der Immunzellen befindet sich im Darm der Tiere. EIN KOMPLEXES ZUSAMMENSPIEL Der Darm beherbergt eine Vielzahl an Bakterien, die als gute Helfer bei der Verdauung, insbesondere von Rohfasern, agieren. Dabei zählt nicht nur die Anzahl der Mikroorganismen, sondern vor allem ihr Zusammenspiel. Dieses Netzwerk wird als Darmmikrobiom bezeichnet und steht zunehmend im Fokus der Forschung rund um Gesundheit und Prävention. Ist das Gleichgewicht der Darmflora gestört, sei es durch Infektionen, Unverträglichkeiten oder Gaben von Antibiotika, kann es zu Fehlgärungen und Durchfällen kommen, die mit der Zeit chronisch werden. Genau hier setzt eine innovative Methode an, die sogenannte Kottransplantation. Ziel ist es, die gesunde Flora eines Spenders auf den erkrankten Empfänger zu übertragen und so seine Genesung zu fördern. VORAUSSETZUNGEN FÜR DAS SPENDERTIER Geeignete Spendertiere sind klinisch gesund. Unter Berücksichtigung eines 9-Punkte-Systems liegt ihr Body Condition Score (BCS), der Hinweise auf den Ernährungszustand der Vierbeiner gibt, bei einem Hund idealerweise zwischen vier und fünf, und bei einer Katze bei fünf. Weitere Kriterien sind ein Mindestalter von zwölf Monaten. Darüber hinaus sollten die Tiere zudem jünger als 75 Prozent ihrer zu erwartenden Lebensdauer sein. Generell werden Katzen in Einzel- und Wohnungshaltung vorgezogen. Vierbeiner mit akuten oder chronischen Darmproblemen scheiden als Spendertiere aus. Ungeeignet sind auch Patienten, die in den letzten vier Wochen in einer Tierklinik oder -pension untergebracht wurden. Bestimmte im Vorfeld verabreichte Medikamente verhindern den Einsatz als Kotgeber. Dazu zählen Antibiotika, deren Gabe innerhalb der letzten sechs Monate sowie Säurehemmer, die in den letzten zwei Wochen zugeführt wurden. Ebenso müssen Infektionskrankheiten, wie Salmonellen, Campylobacter und sämtliche Darmparasiten sowie die bei Katzen gefährlichen Viren FIV oder FeLV ausgeschlossen werden. VORBEREITUNG UND VERARBEITUNG DES KOTS Zur Transplantation eignet sich frisch eingesammelter Kot, der möglichst innerhalb von sechs Stunden verarbeitet werden sollte. Zur Aufbewahrung dienen luftdichte Behältnisse jeglicher Art. Anhaftende Katzenstreu oder grobe Verunreinigungen müssen entfernt werden. Der Kot wird mit Kochsalzlösung verdünnt und anschließend filtriert. Kommt die Mischung nicht sofort zum Einsatz, so kann sie bis zu sechs Monate lang eingefroren werden. ABLAUF EINER KOTTRANSPLANTATION Über Kapseln oder per Sonde als rektaler Einlauf erfolgt die Verabreichung. Bei Letzterem ist es wichtig, dass der vierbeinige Patient vorab Kot abgesetzt oder einen Einlauf mit lauwarmem Wasser erhalten hat. Bei großen Hunden werden zehn bis 20 Milliliter der Mischung pro Kilogramm Körpergewicht, bei kleinen Hunden und Katzen fünf bis zehn Milliliter pro Kilogramm eingeführt. Im Anschluss ist es wichtig, dass das Empfängertier ca. ein bis zwei Stunden keinen Kot absetzt. Die Behandlung kann einmalig oder über mehrere Wochen erfolgen.
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