kundschaftet und die verschiedenen Geräusche und Gerüche sind wohlbekannt. Bedrohungen sind nicht zu erwarten. Deshalb beansprucht meist der Ranghöchste die Aussichtsplattform für sich und nutzt ihre Vorteile. Von hoch oben beobachtet er, was sich in seinem Reich so abspielt, wo etwas Spannendes passiert oder wo es Familienstress gibt und er eingreifen muss. Zudem steht er immer im Mittelpunkt, kann seine körperlichen Vorzüge präsentieren und damit der Damenwelt imponieren. Als tollen Nebeneffekt bemerkt er frühzeitig den nahenden Futterbringer oder die nahende Futterbringerin. Es kann ja nicht schaden, der Erste am Futternapf zu sein. Vielleicht lässt sich etwas besonders Leckeres abstauben. Damit der Rest der Sippe nicht zu kurz kommt, können mehrere Hochsitze angeboten werden. Zudem sollte man das Gehege von Zeit zu Zeit umstrukturieren. Das schafft ganz neue Aussichten und fordert von den Kaninchen eine komplette Neuorientierung. So haben Frust und Langeweile keine Chance. Achtung: Aussichtsplätze dürfen nicht zu nah am Rand des Geheges platziert werden, sonst nutzen die Fellnasen sie als Sprungbrett in die Freiheit. AUSSICHTSPLATZ IM GARTEN Die Außenhaltung ist die artgerechteste Haltung überhaupt, denn hier können die Kaninchen alle Jahreszeiten fellnah miterleben. Sie werden ständig mit neuen Gerüchen und Geräuschen konfrontiert und von ihren natürlichen Feinden trennt sie nur ein stabiler Gitterzaun. Deshalb haben sich sogenannte Wildlife-Kaninchen oftmals ihren guten Instinkt bewahrt und zeigen alle typischen Verhaltensweisen ihrer wilden Verwandtschaft. Aussichtsplätze sind bei ihnen tatsächlich den jeweiligen Wächtern vorbehalten. Die Kaninchen wechseln sich bei diesem wichtigen Job regelmäßig ab, denn er erfordert die ganze Aufmerksamkeit. Auch wenn die Tiere äußerlich manchmal recht entspannt wirken, sind ihre Sinne im Dauereinsatz. Beliebte Aussichtsplätze sind Baumstümpfe und kleine Erdhügel, aber auch sicher aufgeschichtete Steinhaufen, große Holzblöcke, Pflanzsteine, Unterschlupfe und Häuser mit Flachdach oder Gartenbänke werden gerne angenommen. Eifrige Klettermaxen machen sogar vor günstig gewachsenen Bäumen nicht halt. Für den Einsatz im Außenbereich eignen sich vor allem Naturmaterialien, die Wind und Wetter gut standhalten. Zudem ist es sinnvoll, schon bei der Planung des Gehegestandortes passende Geländebesonderheiten einzubeziehen. Bei Freilandhaltung gibt es im Gegensatz zum fest installierten Außengehege keine „Deckenabsicherung“. Deshalb gilt auch hier: Alle Hochsitze weitab vom Gehegerand platzieren. Kaninchen, die viel Bewegungsfreiraum haben, sind echte Extremsportler und sollten in puncto Weit- und Hochsprung keinesfalls unterschätzt werden. SICHERHEIT GEHT VOR Bei der Standortauswahl der Aussichtsplätze muss unbedingt auf ausreichende Stabilität und Standsicherheit geachtet werden. Wackelpartien mögen Kaninchen überhaupt nicht. Das Material sollte nicht zu glatt sein und den Pfoten einen guten Halt bieten. Holz und Pappe können mit kurzflorigen Teppichresten beklebt werden. Falls die Kaninchen alles annagen, eignen sich stattdessen Mais- und Reisstrohmatten oder Korkplatten ideal für die Verwendung. Letztere sind auch eine gute Alternative für den Außenbereich. Glattes Holz kann mit Schleifpapier aufgeraut oder mit Rillen versehen werden. Alle Aussichtsplätze müssen regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls ausgebessert oder ersetzt werden. Nur so ist gewährleistet, dass sich kein Tier verletzt. Die eifrigen Nagezähne dürfen keinesfalls unterschätzt werden. Im Außenbereich hinterlassen zudem auch Wind und Wetter ihre Spuren. Esther Schmidt 38 FIT UND GESUND Die Höhe der Aussichtsplätze sollte stets zur Größe und Fitness der Kaninchen passen, die Fellnasen dürfen aber ruhig gefordert werden. Vor allem bei Innenhaltung ist der Aktionsradius der Tiere sehr begrenzt, sodass ein bisschen zusätzliche Bewegung nicht schadet. Beim Springen und Klettern in höhere Etagen werden viele verschiedene Muskelgruppen beansprucht und gleichzeitig die Knochen gestärkt. Regelmäßige Bewegung sorgt dafür, dass überschüssige Kalorien gleich wieder verbrannt werden und die Kaninchen schlank und topfit bleiben. ©Esther Schmidt
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