42 Außer Rand und Band Feline Hyperästhesie Eben noch liegt die Samtpfote entspannt auf dem Sofa, um im nächsten Moment wie ein Wirbelwind durch die Wohnung zu jagen, zu knurren, den eigenen Schwanz zu attackieren oder laut zu miauen. Solche Phasen können zwar ein normales Spielverhalten sein, doch manchmal steckt eine durchaus ernstzunehmende Störung dahinter. Die Feline Hyperästhesie ist veterinärmedizinisch unter der Bezeichnung „Rolling Skin Syndrom" bekannt. Dabei handelt es sich um eine Überreizung des Nervensystems, die bei den betroffenen Tieren nicht nur auf körperlicher Ebene, sondern auch in ihrem Gemüts- und Verhaltenszustand zum Ausdruck gebracht wird. Beobachtungen zeigen, dass das Anfallsgeschehen oftmals durch menschliche Ansprache oder Berührung unterbrochen werden kann. URSACHENFORSCHUNG Bis heute können Wissenschaftler:innen die Ursache für das Rolling Skin Syndrom nicht ermitteln. Daher stehen mehrere Theorien im Raum, die von einer speziellen Form der Epilepsie bis hin zu einer Zwangsstörung reichen. Dennoch sind sich Expert:innen sicher, dass chronischer Stress immer im Zusammenhang mit diesem Syndrom steht. Auch genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen, da orientalische Rassen wie Siam, Burma oder Abessinier häufiger betroffen sind. Grundsätzlich können jedoch alle Katzen jeden Alters erkranken. TYPISCHE SYMPTOME Beim Rolling Skin Syndrom lässt sich kein konkretes Krankheitsbild definieren. Stattdessen zeigt die Feline Hyperästhesie einen unterschiedlichen Symptomkomplex, der von Tier zu Tier sehr individuell ausgeprägt ist. Eine niedrige Reizschwelle sowie eine erhöhte Reaktionsbereitschaft, die sich zu einem aggressiven Verhalten entwickeln, können im Zusammenhang mit dem Rolling Skin Syndrom stehen. Häufig zeigen betroffene Katzen auch ein wellenartiges Zucken im Rückenbereich. Während dieser Episoden vergrößern sich die Pupillen der Samtpfote teilweise deutlich. DIAGNOSE UND BEHANDLUNG Um das Rolling Skin Syndrom diagnostizieren zu können, gibt es bisher kein verlässliches Testverfahren. Vielmehr steht ein umfangreicher Prozess bevor, bei dem komplexe Ausschlussverfahren durchgeführt werden, um Ursachen und Krankheiten wie Allergien, Parasitenbefall, Rückenschmerzen, Arthritis, Infektionen, Epilepsie oder einen Bandscheibenvorfall systematisch ausschließen zu können. Im Anschluss können Tierärzt:innen lediglich eine Verdachtsdiagnose stellen. Eine bestätigte Wirksamkeit von Behandlungsmethoden gibt es bisher nicht, sodass eine Therapie auf verschiedenen Bausteinen fußt. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind zu empfehlen, um erforderliche Maßnahmen zu ergreifen und die Behandlung anzupassen.
RkJQdWJsaXNoZXIy NTYxMjE=