Heimtierjournal 169

ter:innen vernetzen, um sich konstruktiv austauschen zu können. Auf diesem Weg werden wichtige Erfahrungswerte und Tipps für eine bessere Tierhaltung ausgetauscht. Ebenso können Tierinhalte den Tierschutz stärken, indem auf Missstände aufmerksam gemacht wird, Tierheime mehr Sichtbarkeit erhalten oder Menschen für kritische Themen sensibilisiert werden. Es ist sinnvoll, derartige verantwortungsvolle Vorbilder, die auf eine artgerechte Tierhaltung hinweisen oder gar aktiv zum Tierschutz beitragen, durch Likes, das Folgen oder Teilen der Inhalte zu unterstützen. RÜCKT DAS WOHLBEFINDEN DER TIERE IN DEN HINTERGRUND? Aus Sicht vieler Tierschützer:innen lässt sich der Trend der Tierdarstellung auf Social Media kritisch hinterfragen, da mit wachsender Reichweite auch der Druck, permanent neue Inhalte generieren zu müssen, steigen kann. Die Befürchtung, dass das Wohlbefinden der Tiere in den Hintergrund rückt und diese als bloßes Mittel zur Unterhaltung dienen, ist nicht unbegründet. Durch Vermenschlichung besteht die Gefahr, dass eine artgerechte Haltung vernachlässigt wird. Ein Beispiel dafür sind Verkleidungen bei Katzen. Ja, eine Katze mit einem Kostüm wirkt auf den ersten Blick amüsant und schnell geraten wir als Betrachter:innen ins Schmunzeln. Doch was steckt wirklich dahinter? Katzen mögen es nicht, Kleidung zu tragen. Es schränkt ihre Bewegungen, Wahrnehmung und Körpersprache ein. Das ungewollte „Outfit“ kann somit zu Stress, Panik und sogar Verletzungen führen. Auch das angebliche Grinsen eines Hundes wirkt oft missverständlich. Denn mag das Zähne zeigen auch dem eines Lächelns ähneln, ist es häufig ein Beschwichtigungssignal oder ein Angstverhalten des Tieres. Somit darf es eher als ein Ausdruck von Unwohlsein denn von Spaß gewertet werden. Ein weiteres beliebtes Videomotiv ist die Darstellung sich erschreckender Hunde und Katzen. Was für uns Menschen unterhaltsam erscheint, ist für die Tiere nicht selten mit echter Angst und Furcht verbunden. Aufnahmen, die das heimliche Ablegen einer Gurke hinter oder neben einem Vierbeiner zeigen und den Schreckmoment des Tieres, wenn es sich umdreht, filmen, mögen uns zum Lachen bringen, setzen den Vierbeiner allerdings bewusst unter Stress. Problematisch wird es zudem, werden Tiere absichtlich in Gefahr gebracht, um Fake-Rettungen zu inszenieren. Derartige Inhalte sind nicht nur manipulativ, sondern bringen die Tiere in lebensbedrohliche Situationen. Kritisch zu betrachten ist auch der Umgang mit Qualzuchten. Rassen wie Möpse, Französische Bulldoggen oder ScottishFold-Katzen sind auf Social Media sehr präsent und werden oftmals als besonders süß inszeniert und wahrgenommen. Häufig bleibt dabei unerwähnt, dass diese Tiere aufgrund gezielt gezüchteter Merkmale mit teils schweren gesundheitlichen Einschränkungen leben. Eine unkritische Darstellung kann dazu führen, dass Zuschauer:innen sich ebenfalls ein Tier dieser Rasse wünschen und aufgrund erhöhter Nachfrage diese Zuchten steigern. PROBLEMATISCHE TIERINHALTE ERKENNEN Aufgrund der hohen Anzahl an problematischem Content ist es wichtig, dass du ihn erkennst und nicht unbewusst unterstützt. Kritische Videos lassen sich oft daran erkennen, dass Tiere künstlich in Szene gesetzt oder in bedrohliche Situationen gebracht werden. Auch eine gestresste Körperhaltung der Tiere, wie weit geöffnete Augen, geweitete Pupillen, angelegte Ohren, Zittern und Wegdrehen, sind alarmierende Zeichen. WAS KANNST DU TUN? Du kannst gegen tierschutzwidrige Inhalte tatsächlich etwas tun. Interagiere nicht damit. Allein das Anschauen dieser Inhalte generiert Reichweite. Ebenso sorgen negative Reaktionen für eine Hervorhebung im Algorithmus. Melde die Inhalte, die dir negativ auffallen und nutze die Einstellungen der Social MediaKanäle, damit diese zukünftig seltener angezeigt werden. Somit machst du auf unerwünschte Beiträge aufmerksam. An die Plattformen stellt der Deutsche Tierschutzbund direkte Forderungen und appelliert an die Verantwortung der Betreiber:innen, strengere Richtlinien durchzusetzen und tierschutzwidrige Inhalte konsequent zu entfernen. Bei Verstößen soll somit schneller und härter reagiert werden. DU KANNST ETWAS BEWEGEN Am Ende entscheidet nicht nur der Algorithmus, was groß wird, sondern auch du. Hinterfrage Inhalte und vermeide es, problematischen Content zu unterstützten, denn damit setzt du ein klares Zeichen: Tierwohl geht vor Klicks. Unterstütze gerne Inhalte, die Tiere respektvoll und artgerecht darstellen, und melde Videos, die Grenzen überschreiten. So wird aus „Oh, wie süß!“ ein „Oh, wie verantwortungsvoll!“ und Social Media ein Stückchen besser für jedes Tier. 45

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