Heimtierjournal 168

32 Ein Jahreslauf unserer Igel DEM STACHELRITTER AUF DER SPUR Der stachelige Geselle in unserem Garten ist ein echter Überlebenskünstler. Seit Millionen von Jahren wandert er durch die Welt und trotzte bislang tapfer allen Gefahren. Doch nun ist sein Leben bedroht. Seltsame Geräusche wecken uns aus dem Schlaf. Kaum jemand vermutet hinter der nächtlichen Ruhestörung einen stacheligen Untermieter im Garten, der im Schutz der Dunkelheit die Umgebung erkundet. Der Igel verfügt über ein erstaunlich vielfältiges Lautrepertoire. Er brummt wie ein Motor, schmatzt wie ein Ferkel, kreischt bei Gefahr wie eine Eisensäge, fiept wie ein Vogeljunges und keckert laut bei „Hochzeitstanz“ und Paarung. Auch die Lebensweise des Igels ist faszinierend. Er führt ein gefährliches Leben und muss jeden Tag aufregende Abenteuer bestehen. Begleiten wir den kleinen Stachelritter durch ein wildes Jahr … MÄRZ UND APRIL Der Frühling hält Einzug. Die Igelmänner erwachen allmählich aus dem Winterschlaf, die Damen lassen sich damit noch etwas Zeit. Einige Tiere haben nur 15 Prozent ihres Körpergewichtes verloren, bei anderen sind es 40 Prozent. Da schlottert das Stachelkleid regelrecht am Körper. Mit einem Bärenhunger begeben sie sich auf Nahrungssuche, doch das Angebot ist begrenzt. Zudem wandeln sie auf gefährlichen Wegen, denn noch fehlt der schützende Bodenbewuchs. MAI Nach langer Winterzeit ist der Tisch der Igel nun reichlich gedeckt. Innerhalb kürzester Zeit futtern sie sich das im Winter verlorene Körpergewicht wieder an. Die kleinen Jäger verspeisen für ihr Leben gern Regenwürmer, Käfer und Käferlarven, Spinnen, Nachtfalter und ihre Raupen sowie Schnecken. Auch Vogeleier, Aas und Babymäuse werden nicht verschmäht. Bei der Futtersuche sind Wanderungen von bis zu vier Kilometern pro Nacht keine Seltenheit. Markante Orientierungspunkte, wie Hindernisse, Durchlässe und Feldwege, trägt der pfiffige Igel dabei auf einer Landkarte ein, die nur in seinem Kopf existiert. Dieses clevere „Igel-Navi“ führt ihn so Jahr für Jahr zielsicher zu den vertrauten Tagesschlafnestern, Wasser- und Futterstellen. JUNI UND JULI Es ist Hauptpaarungszeit und wie magisch angezogen folgen die Igelmänner über weite Strecken den Düften der Igelinnen. Die Auserwählte wird stunden-, manchmal tagelang umkreist. Führt das „Igelkarussell“ zum Erfolg, legt die Igelin die Stacheln eng an ihren Körper an, drückt sich flach an den Boden und reckt das Hinterteil leicht empor. Nur so kann das Igelmännchen, ohne selbst Schaden zu nehmen, die Begattung vollziehen. Da-

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