Heimtierjournal 168

nach trennen sich die Wege des Paares wieder, denn Igel sind Einzelgänger und Nahrungskonkurrenten. Die trächtige Igelin baut in einem regen- und windgeschützten Versteck ein großes weich gepolstertes Nest aus Gras, Laub und Moos. AUGUST UND SEPTEMBER War die Paarung erfolgreich, purzeln nach 35 Tagen zwei bis sieben Igelbabys blind und taub in die Welt. Sie sind gerade mal vier bis sechs Zentimeter lang und zwölf bis 25 Gramm schwer. Ihre rosa Haut ist bereits mit weichen, weißen Stacheln gespickt, die jedoch noch eng in die Rückenhaut eingelegt sind, um die Mama bei der Geburt nicht zu verletzen. Die Säugezeit beträgt ca. sechs Wochen. Nach gut 14 Tagen öffnen sich die Augen und Ohren der Babys, eine Woche später stoßen die Zähnchen durch. Ab dem 24. Tag folgen die Kleinen der Mama nach draußen. Instinktiv sammeln sie dabei ihre ersten Blätter und schleppen sie zurück zum Nest. Eine Unterweisung in Nahrungskunde gibt es jedoch nicht. Hier sind die Kleinen auf sich gestellt, denn sie zählen bereits jetzt zur Futterkonkurrenz. OKTOBER Die Igelfamilie löst sich auf. Höchste Zeit für den Jungigel, sich ein dickes Speckpolster zuzulegen, denn das Futterangebot wird langsam knapp. Mit genügend Nahrung kann er zehn Gramm pro Nacht zunehmen. Er wiegt jetzt etwas mehr als 300 Gramm, doch um den Winter zu überleben, muss er mindestens das Doppelte auf die Waage bringen. NOVEMBER Je nach Lage und Witterung hat sich der erwachsene Igel längst wohlgenährt zum Winterschlaf zusammengerollt. Seine Schlafkammer ist ein architektonisches Meisterwerk. Unzählige trockene Blätter werden durch unermüdliche Drehbewegungen des stacheligen Baumeisters zwischen Reisig oder Zweigen auf bis zu 20 cm Wandstärke nach allen Seiten schuppenartig verdichtet und gepresst. Das Winterquartier ist dadurch bestens gegen Nässe, Kälte und Kleinlebewesen isoliert. Über dieses Knowhow verfügen Jungigel noch nicht. Aus Mangel an Erfahrung versäumen sie es oft, sich rechtzeitig ausreichende Fettpolster anzufuttern und mit dem Nestbau zu beginnen. Daher überleben 60-70 Prozent aller Jungigel ihren ersten Winter nicht. Die Lebenserwartung der Igel liegt heute zwischen zwei und vier Jahren, obwohl sie naturgemäß sieben bis zehn Jahre alt werden können. DEZEMBER, JANUAR UND FEBRUAR Nahrungsarmut, Temperaturrückgang, verkürzte Tageszeiten und ein dickes Fettpolster setzen seit Millionen von Jahren immer den gleichen Prozess in Gang: den Winterschlaf. Der Stoffwechsel des Igels arbeitet auf Sparflamme, die Körpertemperatur sinkt von 35 Grad Celsius auf bis zu fünf Grad Celsius ab. Herzschlag und Atmung verlangsamen sich. Pro Minute schlägt das Herz statt 180-mal nur noch acht- bis neunmal und die Atemzüge verringern sich von 40 auf vier. Je weiter der Igel seine Körperfunktionen drosselt, umso mehr Energie spart er ein. Das weiße Fett der Fettreserven dient zur langsamen, gleichmäßigen Energieversorgung während des langen Winterschlafes. Das braune Fett hingegen ist ein schneller Energiespender für den Aufwachvorgang im Frühjahr. Zudem fungiert es als „Notwecker“, falls die Körpertemperatur unter vier Grad Celsius absinkt und verhindert so den sicheren Erfrierungstod. Sobald es draußen wieder wärmer wird, nimmt ein neues Igeljahr seinen Lauf. Esther Schmidt 33 ©Esther Schmidt ©Esther Schmidt

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